Praxisanleitung: Pilzvergiftung-Syndrom zuordnen
Indikation
Vergiftung mit Pilzen
Material
-
Durchführung
Die folgende Tabelle kann helfen durch Zuordnung der erhobenen Befunde Zusammenhänge und Gefahren abschätzen:
Syndrom | Giftpilze | Latenzzeit | Symptome |
Pantherina |
| 30 Minuten bis 3 Stunden |
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Phalloides |
| 5 bis 48 Stunden |
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Muskarin |
| 1 bis 2 Stunden |
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gastroenteritisches |
| 30 Minuten bis 2 Stunden |
|
Anmerkungen
Abbildung: Fliegenpilz |
| Abbildung: Knollenblätterpilz |
| Abbildung: Speitäubling |
Vergiftung mit Fliegenpilzen
Die Vergiftungserscheinungen des Fliegenpilzes werden gemeinsam mit denen des Pantherpilzes (Amanita pantherina) unter der Bezeichnung Pantherina-Syndrom zusammengefasst. Die Latenzzeit wird allgemein mit einer halben bis drei Stunden angegeben. Danach treten Symptome auf, die insgesamt einem Alkoholrausch ähnlich sind: Verwirrung, Sprachstörungen, Ataxie, starke motorische Unruhe, Mydriasis, Mattigkeit. Je nach Stimmungslage stehen Angstgefühl und Depressionen, Gleichgültigkeit oder Euphorie bis hin zu seligem Glücksrausch im Vordergrund. Typisch sind weiterhin Störungen des Persönlichkeits-, Orts- und Zeitgefühls. Berichtet wird auch von einem Gefühl des Schwebens, von überdurchschnittlichen Leibeskräften, von Farbillusionen und seltener von echten Halluzinationen. Tremor, Krämpfe und klonische Muskelzuckungen werden häufig beobachtet. Ein tiefer Schlaf beendet dann meist nach 10 bis 15 Stunden das Pantherina-Syndrom. Die Patienten sind danach meist einigermaßen erholt und ohne Erinnerung an die durchgemachte Vergiftung. Nur in seltenen Fällen bleiben für einige Zeit Spätfolgen bestehen: Interessenlosigkeit, leichte Ermüdbarkeit, Gedächtnisschwäche. [1]
Vergiftung mit Knollenblätterpilzen
95 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen gehen auf irrtümlichen Verzehr von grünen Knollenblätterpilzen zurück, die beim Sammeln zwischen Juli und September insbesondere mit Champignons verwechselt werden. Auch mit modernen intensivmedizinischen Maßnahmen liegt die Sterblichkeit bei 25 Prozent. Bereits ein Pilz kann die für einen Erwachsenen tödliche Giftmenge enthalten. Die Vergiftung mit grünen Knollenblätterpilzen zeigt einen typischen stadienhaften Verlauf.
1. Tag: beschwerdefrei
2. Tag: Brechdurchfall mit kolikartigen Bauchschmerzen
3. Tag: trügerische Besserung der Magen- und Darmbeschwerden
ab 4. Tag: Leberversagen, Nierenversagen, Tod durch Leberkoma
Je früher und je stärker die ersten Symptome auftreten, desto schwerer ist die Vergiftung. [2]
Vergiftung mit Speitäubling
Der Speitäubling gilt allgemein als roh giftiger Pilz, die Giftstoffe sollen durch Kochen zerstört werden. Für die Wirkung verantwortlich sind harzige Inhaltsstoffe, die besonders bei empfindlichen Personen zu starken Magendarm-Beschwerden führen können. Innerhalb von einer Stunde nach dem Verzehr des Pilzes können Bauchschmerzen, Brechdurchfälle und im Extremfall Krämpfe und Koma auftreten. [3]
Mehr Informationen zur Versorgung von vergifteten Patienten finden sie in der Praxisanleitung Basismaßnahmen bei Vergiftungen durchführen.
Literatur
[1] | Wikimedia Foundation Inc.: Fliegenpilz - Pantherina-Syndrom(abgerufen 2020-10-14). |
[2] | Knuth, Peter / Sefrin, Peter (Hg.): Notfälle nach Leitsymptomen: Köln: 2005, Knollenblätterpilzvergiftung, Seite 528. |
[3] | Wikimedia Foundation Inc.: Kirschroter Spei-Täubling - Toxikologie(abgerufen 2020-10-15). |